Mehrwertsteuersätze in Europa: die Entwicklung seit 1970
Als Deutschland 1968 die Mehrwertsteuer einführte, lag der Normalsatz bei 10 Prozent — ein Wert, den fast alle Länder längst weit hinter sich gelassen haben. Die Richtung der Reise war überall dieselbe, nur Tempo und Ausmaß unterscheiden sich. Der Chart zeigt die Normalsätze von 31 Ländern (EU, Schweiz, Vereinigtes Königreich, Norwegen, Andorra) von 1970 bis heute. Wählen Sie bis zu sechs Länder aus und vergleichen Sie die Verläufe.
Normalsätze in Prozent, Stand 2026-07. Nach links scrollen fährt zurück in der Zeit — das Panel rechts zeigt die Werte am Zeitpunkt der Sichtkante. Die grauen Kurven markieren den jeweils teuersten und günstigsten Satz Europas. Temporäre Senkungen (z.B. Deutschland Juli–Dezember 2020) sind enthalten. Gestrichelt bzw. mit * markiert: die Schweizer Warenumsatzsteuer (WUST, bis 1994) — der Vorgänger war keine Mehrwertsteuer, zählt im Vergleich aber mit.
Alle aktuellen Sätze
| Land | Normalsatz | Ermäßigte Sätze |
|---|---|---|
| 22,0% | 10,0 / 5,0 / 4,0% | |
| 27,0% | 18,0 / 5,0% | |
| 25,5% | 13,5 / 10,0% | |
| 25,0% | – | |
| 25,0% | 13,0 / 5,0% | |
| 25,0% | 15,0 / 12,0% | |
| 25,0% | 12,0 / 6,0% | |
| 24,0% | 13,0 / 9,0% | |
| 24,0% | 13,0 / 6,0% | |
| 23,0% | 13,5 / 9,0 / 4,8% | |
| 23,0% | 8,0 / 5,0% | |
| 23,0% | 13,0 / 6,0% | |
| 23,0% | 19,0 / 5,0% | |
| 22,0% | 9,5 / 5,0% | |
| 21,0% | 12,0 / 6,0% | |
| 21,0% | 12,0% | |
| 21,0% | 10,0 / 4,0% | |
| 21,0% | 12,0 / 5,0% | |
| 21,0% | 12,0 / 5,0% | |
| 21,0% | 9,0% | |
| 21,0% | 11,0% | |
| 20,0% | 13,0 / 10,0 / 4,9% | |
| 20,0% | 9,0% | |
| 20,0% | 10,0 / 5,5 / 2,1% | |
| 20,0% | 5,0% | |
| 19,0% | 9,0 / 5,0 / 3,0% | |
| 19,0% | 7,0% | |
| 18,0% | 7,0 / 5,0% | |
| 17,0% | 8,0 / 3,0% | |
| 8,1% | 3,8 / 2,6% | |
| 4,5% | 2,5 / 1,0% |
Eine Einbahnstraße mit Ausnahmen
Über fünf Jahrzehnte kennen die Normalsätze fast nur eine Richtung. Gesenkt wurde selten und meist vorübergehend: Deutschland ging im zweiten Halbjahr 2020 auf 16 Prozent zurück, Irland pausierte ähnlich — dauerhafte Senkungen bleiben die große Ausnahme.
Bei null startete übrigens niemand — vor der Mehrwertsteuer galten fast überall kaskadierende Umsatzsteuern, deren Sätze nicht vergleichbar sind. Nur die Schweizer WUST (einstufig, bis 1994) taugt zum Vergleich: die gestrichelte Linie im Chart. 1995 folgte die MWST — bis heute einstellig, via Zollunion auch für Liechtenstein. Europas günstigste Mehrwertsteuer hat seit 2013 Andorra: 4,5 Prozent IGI.
Warum das für Rechnungen zählt
Jede Satzänderung bedeutet umstellen: Preislisten, Angebote, wiederkehrende Rechnungen, Abgrenzung von Leistungen über den Stichtag. In GrandTotal sind die aktuellen Sätze aller Länder hinterlegt und historische Belege behalten den Satz ihres Leistungszeitraums. Wie die Abrechnung gegenüber dem Fiskus läuft, zeigen die Beiträge zur Schweizer MWST-Abrechnung und zur E-Rechnungspflicht in Europa.
Datenstand: 2026-07. Quellen: Europäische Kommission („VAT rates applied in the Member States", Taxes-in-Europe-Database), ESTV, HMRC, Skatteetaten, OECD. Normalsätze jeweils zum Jahr des Inkrafttretens; ermäßigte Sätze Stand Juli 2026; Schweizer WUST 1941–1994 nach ESTV-Chronik und Finanzordnung 1958.